Korrekturlesen: drei Durchgänge, die den Text tragen
- Rubrik
- Schreibhandwerk
- Veröffentlicht am
- 04. Juni 2026
- Lesezeit
- 5 Min. Lesezeit
Einmal über den Text zu gehen und dabei alles gleichzeitig zu korrigieren, korrigiert fast nichts. Das Gehirn verfolgt Aufbau, Rhythmus und Rechtschreibung nicht im selben Durchgang. Drei getrennte Runden kosten zwanzig Minuten mehr und ändern das Ergebnis.
Durchgänge: drei getrennte Runden, nie vermischt
Runde eins, der Aufbau. Wir lesen nur die Zwischentitel und den ersten Satz jedes Teils. Trägt das ohne den Rest? In dieser Runde dürfen ganze Abschnitte verschoben oder gestrichen werden, und nur hier.
Runde zwei, der Satz. Hier fallen die Krücken: eigentlich, wirklich, recht, ziemlich, dazu die Adverbien, die nichts hinzufügen. Bei einem Beitrag von 1 200 Wörtern streichen wir meist 90 bis 150 Wörter, ohne einen Gedanken zu verlieren.
Runde drei, die Oberfläche. Rechtschreibung, Zeichensetzung, Verweise, die dorthin führen, wohin sie sollen, Bildbeschreibungen, Stimmigkeit der genannten Zahlen.
- in Runde eins nie ein Komma korrigieren
- in Runde drei nie die Gliederung umstellen
- Runde drei auf einem anderen Träger lesen, auf dem Telefon oder auf Papier
Vorlesen: der Prüfstein für tote Sätze
Lautes Lesen bleibt der billigste und zuverlässigste Test. Jeder Satz, bei dem die Luft ausgeht, ist zu lang. Jeder Satz, bei dem Sie stolpern, enthält eine Fügung, über die auch die Leserin stolpert. Wir tun das mindestens für die ersten 300 Wörter, bei technischen Themen für den ganzen Text.
Wenn Sie Ihren Absatz nicht laut lesen können, ohne Luft zu holen, wird ihn auch niemand zu Ende lesen.
Abstand: den Text eine Nacht liegen lassen
Direkt nach dem Schreiben zu prüfen heißt, das zu lesen, was man geschrieben zu haben glaubt. Vierundzwanzig Stunden genügen, damit der Text wieder fremd wird. Über ein Jahr gesammelt: Mehr als 80 Prozent der von Lesern gemeldeten Fehler standen in Beiträgen, die am Tag ihrer Entstehung geprüft wurden.